

Geographie Amerikas
Den Kontinent begrenzen das Nordpolarmeer, der Atlantische und der Pazifische Ozean, der Golf von Mexiko und das Karibische Meer. Mit nahezu zwanzig Millionen Quadratkilometern ist Nordamerika der drittgrößte Erdteil. Als Grenze zwischen Nord-und Mittelamerika gilt die Landenge von Tehuantepec. Die größte Länge in Nord-Südrichtung beträgt rund 7500 km, die größte Breite etwa 4250 km. Der nördlichste Teil besteht aus der Inselwelt des kanadischen Archipels. Der übrige Festlandsrumpf wird von Meeresbuchten und Einbrüchen nur wenig gegliedert: Zu den bedeutendsten zählen die Hudson Bay, die St.-Lorenz-Bucht, der Golf von Mexiko und der Kalifornische Golf sowie die buchtartige Erweiterung des Hudson bei New York, die Delaware-Niederung mit der Chesapeake Bay südlich Washingtons, die Bucht von San Fransisco und die der kanadischen Westküste vorgelagerte Inselkette. Der Gürtel junger Faltengebirge auf der Westseite Nordamerikas erreicht eine größte Breite von 1700 Kilometern. Sowohl die an der Pazifikküste verlaufenden Ketten als auch die weiter ostwärts gelegenen Hauptzüge der Rocky Mountains steigen bis zu 4400 m auf. Die höchsten Höhen erreicht das Alaska-Gebirge im Mount McKinley mit 6195 m. Zwischen den Hochgebirgsketten breiten sich große Hochlands-Becken aus.
In ihrem nördlichen Teil liegen in den zwischen den Bergen eingebetteten Tallandschaften langgestreckte Seen und Längsflüsse, deren bedeutendste der Columbia River, Fraser River und Yukon sind. Die Küstenketten, die Kaskaden-Kette und die Sierra Nevada einerseits, die Bitterroot Ranges, die Wasatch Ranges und der weiter ostwärts verlaufende Hauptkamm der Rocky Mountains andererseits umschließen das südliche Columbia-Plateau, das Trockengebiet des »Great Basin« und das Colorado-Plateau, das von dem mächtigsten, tiefsten und großartigsten Canyon der Erde durchbrochen wird.
Nach Osten bricht das Hochgebirge zur amerikanischen Prärietafel »Great Plains« jäh ab; sie senkt sich nach Nordosten zu dem eiszeitlich geformten, seenreichen Tiefland des Kanadischen Schilds, nach Osten als flachwellige schiefe Ebene zu dem breiten Stromtiefland des Mississippi ab. Im Osten Nordamerikas erstreckt sich in einer Länge von 2600 km von Nordosten nach Südwesten das nur wenig über 2000 m Höhe erreichende alte Rumpfgebirge der Appalachen. Davor breitet sich zum Atlantik hin das Küstentiefland aus. Im Nordosten haben sich fast durchweg niedrige Felsküsten ausgebildet, im Südosten findet sich meist flaches Anschwemmland, während im Westen Gebirgsküsten vorherrschen.
Da der große meridionale Gebirgszug des nordamerikanischen Kontinents nahe der pazifischen Küste entlang läuft, entwässern die meisten Flüsse zum Atlantischen Ozean und seinen Nebenmeeren. Unter den zum Pazifik gerichteten Flüssen gehört der Colorado zu den bedeutendsten. Er bahnt sich seinen Lauf durch Schluchten, Canyons und über vielfältige Stufen, die ihn weitgehend unschiffbar machen. Die zum Eismeer entwässernden Flüsse Yukon und Mackenzie können auf 2600 beziehungsweise 1800 km Länge von Schiffen befahren werden; da aber die Unterläufe beider Ströme sechs bis neun Monate im Jahr mit Eis bedeckt sind, besitzen sie nur einen geringen wirtschaftlichen Wert.
Der St.-Lorenz-Strom dagegen schneidet 3500 km tief in das Festland ein und verbindet die großen Inlandseen (Ontario-, Erie-, Huron- und Michigan- sowie Oberer See) an der kanadisch-amerikanischen Grenze mit dem Meer; er ist die verkehrsreichste Binnenwasserstraße der Welt. Das wichtigste Flussgebiet Nordamerikas stellt der Mississippi-Missouri mit einer Länge von 6970 km dar. Mit den Nebenflüssen Ohio und Tennessee im Osten, Arkansas und Red River im Westen umfasst dieses Stromsystem ein Einzugsgebiet von über 3 Millionen Quadratkilometern.
In klimatischer, wasserwirtschaftlicher, pflanzengeographischer und landwirtschaftlicher Hinsicht spielen auch die stehenden Gewässer eine wichtige Rolle. Das große nordamerikanische Seengebiet weist neben zahlreichen kleineren Seen einen Kranz großer Seen auf, die den Kanadischen Schild umsäumen.
Auf kanadischem Boden liegen der Große Bärensee, der Große Sklavensee und der Winnipegsee. Bedeutender sind die amerikanisch-kanadischen Grenzseen: Ontario-, Erie-, Huron-, Michigan- und Oberer See. Letzterer ist der gewaltigste der fünf. Mit 82 382 Quadratkilometern bedeckt er etwa die 150fache Fläche des Bodensees. Mit zusammen 250 000 Quadratkilometern bilden die Großen Seen ein zusammenhängendes Verkehrssystem, in das über den St. Lorenz-Seeweg auch Seeschiffe einfahren können.
